In der Theorie wissen wir zwar, dass Körper und Seele eine Einheit bilden. Deshalb heißt es ja auch psycho-somatisch, also seelisch-körperlich. Wenn wir aber selbst von einem psychosomatischen Symptom betroffen sind, ist dieses  Verständnis wieder nicht so selbstverständlich. Was will uns denn dieses Symptom sagen?

 

Es ist so: Das Geistige liegt auf einer höheren Bewusstseinsstufe als das Körperliche. Wenn also etwas, das uns belastet, wie etwa ein innerer Konflikt, ein chronifiziertes Gefühl oder ein Dilemma noch nicht in unserem Bewusstsein angekommen sind, springt der Körper ein und "trägt" dieses Thema auf der Organebene aus. Dann bekommen wir ein körperliches Symptom, hinter dem ein seelisches Thema steht.

 

Die psychosomatische Arbeit ist sehr schön, denn hierbei geht es darum, dass Körperliche zu "de-codieren", das heisst, die Botschaft des Symptoms verstehen  zu lernen. Damit erhöht sich das individuelle Bewusstsein rund um die entsprechende Thematik beim Betroffenen und der Körper braucht damit dieses Thema nicht mehr als Symptom austragen. Das klingt recht einfach, ist es aber nicht. Wenn ein psychosomatisches Symptom auftaucht, ist es wichtig, zeitnah zu reagieren, weil sich der Körper sonst so an dieses Symptom gewöhnt, dass er es nicht mehr leicht loslässt.

 

In der psychosomatischen Arbeit sind vor allem auch vorsprachliche Methoden gut geeignet, das Symptom verstehen zu lernen. Mit Körperarbeit, Imagination, Malen und viel Wahrnehmung kommt man der Botschaft des Symptoms immer näher. Durch die Wahrnehmung des Symptoms auf der seelischen Ebene gelingt oftmals auch eine Verwandlung: Das Symptom wird zum Katalysator für Veränderung und persönliches Wachstum.

 

Denn jede überwundene Krankheit wird zu einem großen Segen. Es ist wie die "Moral aus der Geschicht" bei einem Märchen: ist die Herausforderung überwunden, wird sie zur besten Lernerfahrung. Und das ist auch ihr eigentlicher Sinn.